Was darf Kunst?

Die Kunst muss nichts. Die Kunst darf alles.

Ernst Fischer

Kunst darf Provokant sein, darf herausfordern und darf zum Nachdenken aufrufen. Ich selbst weiß das und habe schon viele Texte und Bilder gesehen, die mich selbst wütend gemacht haben, dann nach langem Nachdenken aber Sinn ergeben haben.
Nun jedoch habe ich ein Werk gesehen, in dem ein Hakenkreuz und allgemein rechtes Gedankengut vorkamen. Das Thema war “Chaos”. Ich möchte den Künstler nicht nennen – muss aber dazu sagen, dass ich ihn persönlich kenne.
Entfernen wir uns von dieser sehr privaten Situation und erschaffen folgendes Schaubild:

Man selbst ist in einer Ausstellung. Man sieht ein Bild und kennt den Künstler dahinter. Es ist bekannt, dass der Künstler ein bekennender Rechtsextremist ist und dafür auch einsteht. Nun erkennt man auf dem Bild ein Hakenkreuz und viele Andeutungen auf Verfolgung von Muslimen.
Ist das wirklich Kunst und wenn das Kunst ist – darf Kunst das?

Ohne Zweifel, es wurde in einem öffentlichen Raum dargestellt und zeigt verbotene Symbole und menschenverachtende Metaphern. Ich habe darüber nachgedacht und komme für mich persönlich zu dem Entschluss, dass dieses Werk, kein künstlerisches Werk ist, sondern eines, dass ausschließlich von Rassismus geschaffen wurde. Ja, wahrscheinlich sollte das Werk provozieren und ja wahrscheinlich wollte es auch etwas aussagen. Mein Problem an diesem Werk ist der Mensch dahinter, die Überzeugungen und die Gedanken. Denn wer ein Bild mit einem solchen Inhalt schafft, sollte sich bewusst sein, auf welchem Grat er wandert.
Vor allem, wenn damit keine Message außer Rassismus verbreitet werden soll, hört Kunst auf und geht über zu einer Instrumentalisierung von Veranstaltungen für bestimmte extremistische Meinungen.

Und nun möchte ich nochmals betonen, dass Kunst auf keinen Fall eingeschränkt werden sollte. Denn was wären wir ohne Kunst. Kunst ist Kritik, sie ist etwas schönes und kann gleichzeitig grauenhaft schmerzlich sein. Daher kann Kunst alles sein. Die Frage ist immer die Aussage und was man sich bei dem Werk denkt. Wenn diese Freiheit, die einem Kunst sehr wohl bietet, missbraucht wird,  ist das sehr bedauernswert und erbärmlich.

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Vollverschleierungsverbot

Gestern wurde in der Zeitung über einen Gesetzesvorstoß in Österreich berichtet; in Kindergärten und Schulen soll zukünftig das Tragen von Kopftüchern verboten werden. (Direkt daneben übrigens ein Bericht mit dem Titel “Bereits rund 11.000 Salafisten”. Ein Zufall? Ich glaube nicht.) 

Das Gesetz soll für alle Kinder eine Chancengleichheit ermöglichen, die, laut Regierung – bestehend aus der konservativen ÖVP und der rechten FPÖ -, ohne Kopftuchverbot nicht gegeben ist. Die Verschleierung von Kleinkindern sei definitiv nichts, das in Österreich Platz haben sollte. Genaue Zahlen, wie viele (Klein-)Kinder tatsächlich Kopftuch tragen, sind nicht bekannt. Wohl da die meisten muslimischen Frauen aber erst ab der Pubertät ein Kopftuch tragen und somit das Gesetz keine großartigen Auswirkungen hat, wird es als “symbolische Handlung” beschrieben. Gegenteilig dazu hat das Verschleierungsverbot, das seit etwa einem halben Jahr in Österreich in Kraft ist, inzwischen schon ca. 50 Frauen betroffen, ein Vergehen zieht hierbei bis zu 150€ Strafgeld mit sich. 

Dass dabei genau die Falschen bestraft werden beachtet hierbei weder die Zeitung (es war ja auch ein Bericht) noch die Regierung selbst. Denn der offizielle Grund für das Verschleierungsverbot ist die Integration von Muslimas, die damit unterstützt werden soll. Die Vollverschleierung wird dabei als Unterdrückung angesehen und soll so verhindert werden. Allerdings zahlen die Strafe wohl kaum die Männer bzw. die Tradition, sondern die Frau selbst. Ist damit das Problem aus dem Weg geräumt? Offensichtlich nicht – nein, man schafft sogar ein weiteres. Nicht mal mehr selbstbestimmte Frauen, die Niqab / Burka aus eigener Entscheidung und Überzeugung tragen, können ihrem Willen folgen und müssen sich der Einschränkung des Staates untergeben. Kinder, die darüber noch nicht selbst entscheiden können bzw. den Grund noch nicht einschätzen können, sollten hierbei meiner Meinung nach von den Familien selbst aus der Thematik rausgehalten werden. Natürlich gibt es in jedem Staat Gesetze und Regelungen, die jeder Bürger zu befolgen hat und die für das Allgemeinwohl unabdingbar sind. Allerdings scheinen mir das Kopftuchverbot, das ja wohl offensichtlich unsinnig ist, und das Vollverschleierungsverbot eher wie eine Taktik, um rechtes Gedankengut in der Gesellschaft zu verfestigen bzw. unterbringen. Denn eine FPÖ tut sich als rechte Partei nicht leicht, mit den vielen ankommenden Flüchtlingen umzugehen und findet dabei viel Anklang in der Bevölkerung.

Im Artikel ebenfalls erwähnt wurde ein ähnlicher Umschwung in Deutschland, der sich durch die Organisation “Terre des Femmes” ankündigen soll. Diese Organisation kämpft für Frauenrechte und das klingt für mich als Frau natürlich erstmal positiv. Jedoch möchte TDF ein Vollverschleierungsverbot ähnlich dem aus Österreich in Deutschland einführen (Unterdrückung in anderen Religionen wie dem Katholizismus wird auch kritisiert). Natürlich ist eine erzwungene Vollverschleierung schlecht und ich möchte keineswegs diese Unterdrückung rechtfertigen. Wenn eine Frau sich in der Öffentlichkeit so sehr verhüllen muss, ohne das aus eigenem Willen zu tun, ist das ein massiver Eingriff in die Freiheit. Obwohl für Europäer der Anblick ungewohnt und manchmal auch erschreckend und unverständlich sein mag, leben wir in Deutschland, viele Muslimas tragen hier Kopftuch oder Burka etc. als Zeichen ihres Glaubens und fühlen sich damit wohl. Einen Staat wie Saudi-Arabien, wo die Verschleierung Teil des Gesetzes ist, empfinde ich als menschenentwürdigend; ein Staat, in dem die Verschleierung als freiwilliger religiöser oder anderweitiger Ausdruck verboten ist, gleicht meiner Meinung nach allerdings diesem Totalitarismus. Denn auch so werden die Frauen eingeschränkt, ob man sich nun nicht so anziehen darf, wie man will, oder sich so anziehen muss, wie der Staat es will, es kommt auf das gleiche hinaus. Natürlich stecken unterschiedliche Motivationen dahinter, die hier gar nicht bestritten werden sollen, aber eine Einschränkung von Religion, Freiheit etc. (vor allem geschlechtsspezifisch) ist heutzutage einfach nicht mehr aktuell. 

Die Probleme, die vielen Asylsuchenden bei der Integration im Weg stehen könnten, lassen sich auf ganz andere Weisen, die für alle funktionieren, lösen. Jugendliche, die sowieso hauptsächlich vorurteilsfrei agieren, nehmen Flüchtlinge in z. B. Lerngruppen oder einfach in der Schule schnell in ihre Gruppe auf. Erwachsene, die sich hierbei oft etwas schwerer tun, würden durch tägliches Zusammenarbeiten oder gemeinsamen Sport ebenfalls ihre Ängste etc. verlieren. Und wenn ein Staat gegen die erzwungene Verschleierung vorgehen will, dann bitte nicht mit Kopftuchverboten für Lehrer (Religiosität soll im öffentlichen deutschen Raum nicht mehr dargestellt werden – trotzdem gehören beispielsweise in bayrischen Schulen Jesuskreuze und Gottesdienste zum Alltag), sondern mit gezielter Bildung. Für viele religiöse Familien mag die Tradition im Vordergrund stehen, ein Bewusstsein für die Selbstbestimmung zu schaffen würde hierbei also die gewünschte Zielgruppe treffen. 

Natürlich muss man das Thema differenziert betrachten, schließlich ist die Idee hinter dem Verbot an sich nicht schlecht, jedoch wird damit meiner Meinung nach ein falscher Weg gewählt. Da allerdings für das österreichische Gesetz noch eine Oppositionspartei überzeugt werden muss (die leider nicht abgeneigt zu sein scheinen), gilt es erstmal abzuwarten. 

Ein ziemlich interessanter Spiegelbericht dazu: So sehen Muslima die Welt